Taumelnde Wirtschaft sorgt für Gebrauchtsoftware-Nachfrageschub

22. Mai 2025

Sparmaßnahmen beim Softwarekauf

Selten hat ein Trend nur einen treibenden Faktor und oft gibt es gegenläufige Dynamiken. Den Gebrauchtsoftwarehandel treiben wirtschaftliche Unsicherheiten voran, während der Cloud-Boom andere Lizenzmodelle forciert. Insgesamt steigt die Nachfrage.

Die Unsicherheit ist ein Riesenthema im aktuellen Marktgeschehen. Melanie Achten, Geschäftsführerin bei MRM Distribution bringt es auf den Punkt: „So richtig weiß niemand, wohin es mit der deutschen Wirtschaft geht.“ Da fällt es naturgemäß nicht leicht, Geld für IT auszugeben und Projekte werden auf Eis gelegt, so ihre Analyse. Das spürt man bei MRM insofern, als dass Unternehmen jetzt besonders hinschauen, wo sie sparen können. Bei Microsoft-Lizenzen sei das ein einfacher Hebel, erläutert die Managerin: „Nicht neu oder im Cloud-Abo beziehen, sondern als gebrauchte Volumenlizenz.“ Von diesem Hebel würden ihrer Beobachtung nach immer mehr IT-Leiter Gebrauch machen und die Wiederverwendung von Software als strategisches Instrument nutzen, welches sie in die Lage versetzt, Projekte überhaupt noch umzusetzen. Häufig mündet das in hybriden Szenarien, nämlich On-Premises ergänzt um gezielte Cloud-Dienste oder vice versa. Für solche Setups bietet MRM die Lizenzen, aber auch die Beratung, um es audit-sicher umzusetzen.

Kein Grund, gebrauchte Software einzustampfen

Cloud Computing ist auf dem Vormarsch. Die Zukunftsperspektiven für den Gebrauchtsoftware-Markt beurteilt Achten vor diesem Hintergrund „ganz pragmatisch“, wie sie sagt: „Cloud Computing ist kein Grund, gebrauchte Software einzustampfen. Es geht nicht um Entweder-Oder, sondern um den optimalen Mix.“ Für On-Premises sprechen demnach nach wie vor viele Gründe: Teile der Infrastruktur lokal zu halten, das ist im produzierenden Gewerbe genauso gesetzt wie im öffentlichen Sektor oder bei sensiblen Daten. „Mit Blick auf die Gebärden aus der USA dürfte das mittelfristig auch so bleiben“, sagt Achten. Wichtig sei in diesen Zeiten, dass Systemhäuser ihren Kunden ein bezahlbares zukunftsfähiges Lösungspaket anbieten. „Das schließt unweigerlich wiederverwendete Lizenzen ein, weil die einfach günstig sind – selbst bei der neuesten Version“, findet die Managerin. An einer gebrauchten Office 2024 oder Windows Server 2025 von MRM sparen ihren Angaben zufolge Unternehmen 30 bis 40 Prozent.

Erweitertes Geschäftsmodell

Die Frage nach der Zukunft der Branche in Cloud-Zeiten stellt sich dennoch. „Als ich im letzten August die Geschäftsleitung der MRM Distribution übernommen habe, haben wir uns zusammengesetzt und sehr bewusst dafür entschieden, unser Geschäftsmodell zu erweitern“, berichtet die Geschäftsführerin in diesem Zusammenhang. Seit Anfang dieses Jahres zählt MRM Distribution zur Riege der Microsoft CSP-Partner. Das heißt aus ihrer Perspektive: „Wir können klassische Volumenlizenzen liefern und auch Cloud- und Abo-Modelle direkt abbilden – inklusive Lizenzberatung.“ Letztlich gehe es um die richtige Lizenz zur richtigen Anforderung. Das könne gebraucht, neu, hybrid oder cloudbasiert sein. Hauptsache sei, dass es technisch, wirtschaftlich und lizenzrechtlich passe.

Wenn der Auditor zweimal klingelt

„Der Markt der Gebrauchtsoftware-Anbieter ist in den letzten Jahren stark gewachsen“, sagt Achten. Leider würden nicht alle mit der nötigen Sorgfalt handeln, die aber notwendig sei, denn beispielsweise Microsoft führt zur Überprüfung Audits durch – „egal, ob wiederverwendete Software genutzt wird oder neue.“ Solche Fälle begleitet MRM zwei bis dreimal im Jahr. „Zuletzt Ende 2024 bei einem großen Gerätehersteller, der unsere Lizenzen über sein Systemhaus eingekauft hatte.“ Im Rahmen einer Wirtschaftsprüfung wurde alles offengelegt, blickt die Managerin zurück. Die von MRM übermittelten Dokumente waren demnach vollständig und lückenlos belegbar, das Audit war in wenigen Tagen durch – ohne Rückfragen.

Anfrageschub nach Neuversionierung

Seit Microsoft neue Produktversionen veröffentlicht hat, konkret für die Produkte Office, Project und Visio 2024 sowie für Windows Server 2025, gab es bei MRM Distribution laut Achten einen echten Anfrageschub – auch in sehr hohen Stückzahlen. „Zuletzt zwischen 1.300 und 5.000 Stück. Gerade ist mein Team sehr damit beschäftigt, Lizenzpakete in diesen Dimensionen einzukaufen“, verrät die Geschäftsführerin.

Gleichzeitig merke man, dass wiederverwendbare Software mittlerweile ein sehr gutes Standing habe. Der Markt hat sich demnach gewandelt und Kunden würden heute besser wissen, was sie brauchen. „Sie erwarten ein Full-Service-Angebot, nicht nur eine einfache Lizenz. Auch deshalb die Ausweitung unseres Geschäftsmodells“, sagt die Managerin.

KI ist ein Kind der Cloud

Künstliche Intelligenz ist laut Achten ein großes Thema. Und viele KI-Anwendungen sind nur in Cloud-Infrastrukturen möglich: „Bei Microsoft ist das etwa Copilot, für den Unternehmen M365-Pläne benötigen. Dahingehend verändert sich die Nachfrage.“ Gleichzeitig ist ihrer Einschätzung nach in vielen Unternehmen noch unklar, wie sich KI konkret auf deren IT-Strategie auswirkt. Das mache hybride Lizenzmodelle, die sowohl gebrauchte als auch Cloud-basierte Komponenten enthalten, umso attraktiver.

Das Brot- und Buttergeschäft

Die absoluten Bestseller bei MRM Distribution sind nach wie vor die Microsoft Office Pakete – insbesondere Office Standard 2024 und Office Professional 2024. Dazu kommen Visio, Project und Windows Server 2025, sowohl in der Standard- als auch in der Datacenter-Variante. Sehr stark nachgefragt sind entsprechend auch die zugehörigen Client Access Licenses (CALs), „Wir bieten ältere Versionen bis zu 70 Prozent günstiger an als bei Neukauf. Und selbst bei den ganz neuen Programmen aus 2024 und 2025 sparen unsere Kunden schon um die 30 Prozent ein. Das sind in wirtschaftlich angespannten Zeiten echte Argumente für gebraucht kaufen“, führt die Managerin aus.

Zusammenarbeit mit IT-Systemhäusern

Über 6.000 Systemhäuser in der DACH-Region und ganz Europa arbeiten mit MRM zusammen, sagt die Chefin des Unternehmens. Systemhäuser profitieren dabei von Vermittlungsprovisionen mit bis zu zweistelligen Prozentzahlen, von Boni-Programmen und vom Lizenzwissen – sowohl im Bereich Gebrauchtsoftware als auch im Neugeschäft via Microsoft CSP. Kaum ein Systemhaus oder Dienstleister befasse sich ja so wie wir ausschließlich mit der Microsoft-Lizenzierung, sagt Achten. „Das können MRM-Partner nutzen, indem sie uns in die Lizenzberatung ihrer Kunden einbeziehen. Für unsere Partner bedeutet das: Entlastung, kein Risiko, Top-Service – und am Ende bleiben ein ordentlicher Deckungsbeitrag und zufriedene Kunden.“ Wenn MRM dabei auch noch auf nicht mehr benötigte Alt-Lizenzen stößt und diese aufkaufen kann, schafft das beim veräußernden Unternehmen Budgets für neue IT-Projekte – und damit neues Auftragsgeschäft für beteiligte Partner.

Veröffentlichung der IT Business.


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